Editorial 10.1
Swissnoso
Im Jahr 2003 hat die Swiss-NOSO Gruppe zum vierten Mal eine Prävalenzerhebung zu nosokomialen Infektionen in Schweizer Spitälern durchgeführt. Unter der Leitung von Hugo Sax haben mehr als 60 Spitäler (etwa 8600 Patienten) an dieser Erhebung teilgenommen. Die erste Prävalenzstudie im Jahr 1986 umfasste lediglich 4 (Universitäts)Spitäler. Im vorliegenden Bulletin werden die Resultate der Erhebungen von 1999 und 2002 präsentiert. Aus der mittleren Prävalenz von 8.1% im Jahr 2002 ergibt sich eine durchschnittliche Zahl von mehreren Tausend Patienten, welche in der Schweiz pro Tag an einer nosokomialen Infektionen leiden. Diese Zahl zeigt klar, dass nosokomiale Infektionen ein beträchtliches Problem in unserem Gesundheitswesen darstellen. Ist sie ebenfalls ein Zeugnis für massive Fehler ? Sicher nicht ! Aufgrund des aktuellen Wissensstandes können leider viele dieser Infektionen nicht verhindert werden. Es ist jedoch ebenfalls evident, dass ein bestimmter Anteil von Infektionen durch optimale präventive Massnahmen verhütet werden könnte. Prävention erfordert Schulung und Optimisierung der Betreuungsstandards, der Überwachung und der sich daraus ergebenden Massnahmen. In diesem Sinne stellt die Prävalenzerhebung ein Modell dar: die Vorbereitung und Durchführung ergaben zahlreiche Gelegenheiten für einen Wissensaustausch und -transfer zwischen allen Teilnehmenden der verschiedenen Spitäler. Solche Erhebungen sind ein Teil der Qualitätskontrolle (Indikatoren). Jedes teilnehmende Spital kann, sensibilisiert durch die eigenen Resultate, die präventiven Massnahmen verbessern. In der heutigen Zeit, in der gewisse « Spezialisten » für Indikatorenmessung sich als einziges Bindeglied zwischen Spitälern und Versicherern anpreisen, ist es wichtig, darauf hinzuweisen, dass die Spitalhygiene eine Disziplin darstellt, deren einzelne Elemente (Schulung, Prävention, Kontrolle, Überwachung und benchmarking) auf keinen Fall von einander losgelöst, respektive getrennt betrachtet werden dürfen.
