Endemic Pseudomonas aeruginosa infection in a neonatal intensive care unit
E. Bernasconi, Lugano
Foca M. et al. N Engl J Med 2000; 43: 695-700
Pseudomonas aeruginosa ist einer der häufigsten nosokomialer Erreger und ist für eine beträchtliche Morbidität und Mortalität verantwortlich ist. Nosokomiale Epidemien wurden vor allem in Zusammenhang mit kontaminierten Infusionslösungen und Beatmungsapparaten beobachtet, währenddem das Pflegepersonal nur selten als Reservoir identifiziert wurde.
Im Artikel von Foca et al. wird über eine epidemiologische Untersuchung nach Zunahme von Kolonisation oder Infektion durch P. aeruginosa auf einer neonatalen Intensivpflegestation (IPS) berichtet. Es wurden Kulturen der Abstriche von der Umgebung, Instrumenten, Beatmungsapparaten, flüssigen Medikamenten angelegt. Die Hände des Pflegepersonals wurden mittels Eintauchen in eine sterile Flüssigkeit und darauffolgende Kultur mikrobiologisch untersucht. Über eine 2-jährige Periode wurden 11 verschiedene P. aeruginosa Stämme bei 40 Kindern isoliert. Ein als „A” bezeichneter Stamm war zum Zeitpunkt der höchsten epidemischen Aktivität für die Kolonisation bzw. Infektion von 7/9 betroffenen Kindern verantwortlich. Die Hände von Ärzten und Krankenschwestern waren in 10 Fällen mit P. aeruginosa kolonisiert, wobei nur bei 3 Personen die zweite Kontrolle eine Woche später immer noch positiv ausfiel. Die Persistenz der Kolonisation wurde im ersten Fall auf künstliche Fingernägel, im zweiten auf eine Candida Nagelinfektion und im dritten auf eine chronische Otitis externa zurückgeführt. Bei 17 betroffenen Kindern korrelierte das Risiko, Stamm A zu tragen mit der Exposition gegenüber 3 Krankenschwestern, diejenige mit der Nagelinfektion, und zwei andere mit negativer Kultur der Hände. Betreffend der klinischen Signifikanz der Epidemie weisen die Autoren darauf hin, dass 47% der durch Gram negative Erreger verursachten Bakteriämien über eine 18-monatige Periode durch P. aeruginosa verursacht wurden!
Da P. aeruginosa ein seltenes Pathogen bei Neugeborenen auf IPS ist, sollte eine Zunahme der Fälle von Kolonisation und Infektion durch diesen Erreger frühzeitig epidemiologisch untersucht werden. In dieser Arbeit konnte die Rolle der Hände in der Dissemination eines bestimmten P. aeruginosa Klon eindeutig gezeigt werden. Die Händedesinfektion bleibt die einfachste und wichtigste Massnahme, um die Übertragung nosokomialer Erreger vorzubeugen. Die Eradikation von pathogenen Mikroorganismen kann durch eine chronische Haut bzw. Nagelkrankheit trotz konsequenter Händedesinfektion schwierig sein. Auf das Tragen künstlicher Nägel sollte das Pflegepersonal am besten verzichten, da eine zunehmende Anzahl Publikationen ihre Rolle als Reservoir von pathogenen Erregern beweist [Hedderwick SA et al., Infect Control Hosp Epidemiol 2000].
NB: Das Swiss-NOSO Komitee denkt, dass der ursprüngliche Grund diseser letzten P. aeruginosa Epidemie am Wasserversorgungssystem liegen konnte. Um diese Möglichkeit auszuschliesssen, war die Anzahl der ausgefürten Kulturen verhältnissmässig gering.
