Interessante Artikel: Investigation of Patients of Health Care Workers Infected with HIV. The Centers of Disease Control and Prevention Database
01.07.1995
Der 1992 erschienene Bericht, dass in einer
zahnärztlichen Praxis in den USA 6
Patienten eines HIV-positiven Zahnarzt mit
HIV infiziert worden seien, beunruhigte Öffentlichkeit,
Gesundheitsbehörden und Patientenorganisationen.
In der Folge wurden
mehrere Untersuchungen bei Patienten
von HIV-infizierten Medizinalpersonen
(vor allem Ärzten und Zahnärzten) durchgeführt.
Die Resultate der 64 dem Center of
Disease Control (CDC) bekannten Untersuchungen
werden in der vorliegenden Arbeit
zusammengefaßt. Die Untersuchungen
wurden zwischen 1987 und 1994 durchgeführt.
Bei 22171 Patienten von 51 Medizinalpersonen
wurde ein HIV-Test durchgeführt.
Bei 113 Patienten von 14 Medizinalpersonen
wurde ein positiver HIV-Test gefunden.
Davon konnten 110 Patienten labormäßig
und epidemiologisch bzgl. Risikofaktoren
befragt werden. Bei 90 von ihnen war die
HIV-Positivität schon bekannt oder sie gehörten
einer klassischen Risikopopulation
an. Das Virusgenom von 16 der 20 Patienten
ohne klare Risikoanamnese konnte mittels
Sequenzierung analysiert und mit dem
der Medizinalperson verglichen werden. Es
wurde in keinem dieser Fälle eine nahe Verwandtschaft
der Viren nachgewiesen, so
dass eine Übertragung von der
Medizinalperson auf die Patienten ausgeschlossen
war.
Patientennotifikationsstudien sind immer
unvollständig. Ein Teil der Patienten
sind nicht mehr auffindbar oder verweigern
eine Untersuchung, und die Rekonstruktion
der Exposition ist retrospektiv
schwierig. Zudem wurden die einzelnen
Untersuchungen nicht nach einem fixen
Schema durchgeführt. Deshalb ist eine genaue
Aussage über das Risiko der HIV-Übertragung
von Medizinalpersonen auf Patienten nicht möglich. Da aber bei über 20000
getesteten Patienten keine Hinweise auf diese Übertragungsart gefunden werden
konnte, muß von einem sehr kleinen Risiko
ausgegangen werden.
Die Autoren kommen zum Schluß, dass
solche aufwendigen Notifikationsuntersuchungen
nicht routinemäßig durchgeführt
werden sollten, sondern nur in speziellen
Fällen indiziert sein können. Dies
könnte der Fall sein, wenn Hinweise auf
psychische Veränderungen bei der Medizinalperson
vorliegen, oder wenn Richtlinien
zur Prävention blutübertragener Krankheiten
nachweislich verletzt wurden.
Robert LM, Chamberland ME, Cleveland JL, Marcus R, Gooch BF