Interessante Artikel: The prevalence of Nosocomial Infection in Intensive Care Units in Europe (theEPIC study).

01.12.1995
Ziel der EPIC -Studie war es, die Prävalenz und Risikofaktoren der in Intensivpflegestationen (IPS) erworbenen Infektionen zu erfassen, die dafür verantwortlichen Mikroorganismen zu identifizieren und die Bedeutung dieser Infektionen zu evaluieren. 1'417 IPS (davon 49 schweizerische) aus 17 westeuropäischen Ländern untersuchten 10'038 Patienten, die am Stichtag (29. April 1992) hospitalisiert waren. Insgesamt wurden bei 4'501 Patienten Infektionen gefunden, wovon 2'064 (21 %) die Infektionen in der IPS und 10% sonst im Spital erworben hatten. Von den untersuchten Patienten starben 17% innerhalb der nächsten 6 Wochen. Es waren deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern bezüglich Prävalenz an Infektionen (10-32%), Länge der Aufenthaltsdauer in der IPS und Mortalität (8,4-24%) vorhanden. Die Schweiz scheint in einer günstigen Situation zu sein, obwohl die Aussagekraft dieser Vergleiche aus methodologischen Gründen ("case mix", Aufnahmekriterien usw.) fraglich ist. Die hauptsächlichen Infektionen waren Infekte der unteren Luftwege (65%), Hamwegsinfekte (18%) und Bakteriämien (12%). Am häufigsten wurden Enterobacteriaceae (34%), S. aureus (30%, davon 60% methizillinresistente), Pseudomonaden (29%), koagulase-negative Staphylokokken (19%) und Candida (17%) nachgewiesen. In einer Multivarianzanalyse konnte gezeigt werden, dass Pneumonien, Sepsis und Bakteriämien unabhängig von anderen Faktoren die Mortalität erhöhten. Diese Studie zeigt, wie häufig und wichtig nosokomiale Infektion auf Intensivpflegestationen sind und dass sie bedeutende klinische Konsequenzen haben.
VincentJL, et al. JAMA, 1995; 274: 639-644