Methizillin-resistenter S. aureus: Aktuelle Situation und Bedeutung

01.12.1995
Etwas mehr als 50 Jahre nach der Entdeckung der ersten Antibiotika ist die Problematik der Resistenzentwicklung von Bakterien gegenüber zahlreichen Antibiotika sehr aktuell geworden. Unter den Bakterien bei denen die Resistenzentwicklung ein Problem geworden ist, nehmen die Staphylokokkus aureus eine besondere und gleichzeitig exemplarische Stellung ein (Abb. 1). Die vor 1940 isolierten Staphylokokken waren gegenüber Penizillin durchwegs empfindlich. Bereits 1944 wurden jedoch erste Stämme mit Penizillinresistenz beobachtet. Diese Resistenz wurde durch ein Plasmid vermittelt, das eine Penizillinase kodiert, welche den Betalaktamring zu spalten vermag. In den S0er Jahren wurde S. aureus zu einem wichtigen Spitalkeim, der für zahlreiche nosokomiale Epidemien verantwortlich war. Mit der Entdeckung des Methizillins im Jahre 1959 stand schließlich ein Medikament zur Verfügung, das, obwohl es auch zu den Betalaktamen gehört, durch diese nicht inaktiviert werden konnte. Sehr bald nach der Einführung dieser Substanz wurden jedoch die ersten Methizillin- resistenten S. aureus (MRSA) Isolate beobachtet. Neben der Resistenz gegenüber Methizillin weisen diese Stämme sowohl eine Resistenz gegenüber allen anderen Betalaktamen als auch recht häufig gegenüber Antibiotika anderer Klassen auf. Im Laufe der letzten 30 Jahre wurden aus Europa und den USA zahlreiche durch diese Keime verursachte nosokomiale Epidemien berichtet. In vielen Ländern hat sich die Situation dermassen verschlechtert, dass sich MRSA als endemischer Keim in Spitälern etablieren konnte.
P. Francioli, H. Furrer, D. Pittet, P.-A-. Raeber, C. Ruef,