Infektionsprävention. Datenbasiert. Digital. Wirksam.
Die Swissnoso Digital IPC Initiative für mehr Patientensicherheit
Eine strategische Initiative im Auftrag der Eidgenössischen Qualitätskommission
Swissnoso führt im Auftrag der Eidgenössischen Qualitätskommission (EQK) und in Synergie mit der Strategie NOSO des Bundesrates ein fünfjähriges Projekt zur Verbesserung der Prävention von healthcare-assoziierten Infektionen in Schweizer Akutspitälern durch.
Die Initiative verbindet zwei zentrale Elemente: die digitale IPC Platform als technische Grundlage und das Aufbaumodul IPC Implementation zur Unterstützung nachhaltiger Umsetzung von Präventionsmassnahmen im klinischen Alltag.
Qualitätsverbesserung mit System
Das Aufbaumodul IPC Implementation stellt den Pilotspitälern - und später weiteren interessierten Schweizer Spitälern - Umsetzungshilfen für eine Qualitätsverbesserungsinitiative zu Verfügung. Diese umfassen digitale Dashboards, ein Implementierungshandbuch und weitere nutzerzentriert entwickelte Tools, welche die Spitäler in der datengestützten Infektionsprävention unterstützen. So sollen die Spitäler Präventionsmassnahmen nachhaltig im klinischen Alltag verankern und die Rate healthcare-assoziierter Infektionen senken können.
Zwei zentrale Komponenten stehen im Fokus:
- Technisch-funktional: Die Raten spitalerworbener Infektion und die Adhärenz zu Präventionsmassnahmen werden mittels interaktiver Dashboards zeitnah und verständlich für die verschiedenen Stakeholder im Spital visualisiert.
- Sozio-kulturell: Durch das Implementierungs-Handbuch und andere Umsetzungshilfen werden die Spitäler unterstützt, Daten ganzheitlich zu interpretieren, lokale Prioritäten zu setzen und Aktivitäten zu planen, damit Präventionsmassnahmen interprofessionell und partizipativ umgesetzt und nachhaltig im Arbeitsalltag verankert werden.
Für eine wirksame Umsetzung werden klinische Routinedaten benötigt, die möglichst zeitnah sowie semi- oder vollautomatisiert erhoben und verarbeitet werden können. Die digitale IPC Platform bildet dafür die technische Grundlage.
Unterstützung durch digitale Werkzeuge
Mit der IPC Platform entsteht eine interoperable Infrastruktur für Schweizer Akutspitäler. Sie soll:
- den manuellen Aufwand reduzieren durch semi- und vollautomatisierte Datenübernahme und -analyse,
- die Nutzung der erhobenen Daten verbessern durch zeitnahe Rückmeldung von Infektionsraten und der Adhärenz zu Präventionsmassnahmen,
- die automatische und datenschutzkonforme Übermittlung pseudonymisierter Daten an Swissnoso ermöglichen – für nationales Benchmarking und die Evaluation der Strategie NOSO.
Das Ziel ist, den administrativen Aufwand zu reduzieren und gleichzeitig mehr Zeit für die eigentliche Präventionsarbeit zu schaffen.
Aufbau der der technischen Plattform - IPC Platform
Die IPC Platform besteht aus zwei Hauptkomponenten.
IPC Toolkit
Das lokal im Spital eingesetzte IPC Toolkit unterstützt zentrale Tätigkeiten der Infektionsprävention. Dazu gehören unter anderem Surveillance, Isolationsmanagement, Ausbruchsmanagement und das Monitoring mikrobiologischer Befunde.
Interaktive Dashboards ermöglichen die strukturierte und zeitnahe Darstellung von Infektionsraten sowie der Adhärenz zu ausgewählten Präventionsmassnahmen.
IPC Datacenter
Das IPC Datacenter bildet die nationale Komponente der Plattform. Es ermöglicht die semi-automatisierte Erfassung und Übermittlung pseudonymisierter Daten sowie deren Analyse und Benchmarking. Damit sollen eine zeitnahe nationale Auswertung und die nationale Steuerung verbessert werden.
Erweiterungsperspektiven
Langfristig ist die Erweiterung der Qualitätsverbesserungsinitiative auf weitere Themenfelder wie Antimicrobial Stewardship (AMS) und Diagnostic Stewardship vorgesehen.
Projektfortschritt
Die Entwicklung der IPC Platform und die Umsetzung der IPC Implementation erfolgen schrittweise über fünf Jahre und in enger Zusammenarbeit mit den beteiligten Spitälern und Projektpartnern.
Aktueller Stand
- Interessierte Akutspitäler sind als Pilotspitäler in das Projekt eingebunden.
- Nosotech wurde im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibung als Technologiepartner ausgewählt.
- Die fachlichen und technischen Anforderungen an die IPC Platform sind definiert.
- Das Needs Assessment für die Dashboards und die unterstützenden Tools zur nachhaltigen Umsetzung von Präventionsmassnahmen ist gestartet.
- Eine Kollaboration mit der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) zur Entwicklung nutzerorientierter Dashboard-Visualisierungen ist aufgegleist.
Nächste Schritte
In der nächsten Projektphase stehen die technische Entwicklung der IPC Platform, die Weiterführung des Needs Assessment sowie die Entwicklung erster Dashboard-Prototypen im Vordergrund.
Die erarbeiteten Lösungen werden gemeinsam mit den Pilotspitälern schrittweise erprobt und weiterentwickelt.
Prof. Dr. Hugo Sax, Co-Projektleitung
PD Dr. Alexandra Scherrer, Co-Projektleitung
E-Mail Kontakt
Telefon: +41 31 331 17 33